S10: Sprachlich-kommunikative Wissensverarbeitung in der institutionellen Praxis

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Symposiumsleitung: Prof. Dr. Kristin Bührig (Hamburg), Dr. Gundula Gwenn Hiller (Frankfurt/Oder), Prof. Dr. Claus Ehrhardt (Urbino) und Prof. Dr. Stephan Schlickau (Hildesheim)
Datum/Raum: Mittwoch, 19.09., Donnerstag, 20.09., und Freitag, 21.09., Raum 00.15

Mittwoch, 19.09.

11:00–12:30 Uhr Gundula Gwenn Hiller (Frankfurt/Oder) und Claus Ehrhardt (Urbino)
Kommunikative Herausforderungen in der Hochschullehre vor dem Hintergrund von Internationalisierung und Diversität
  Adelheid Schumann (Siegen)
Zur Untersuchung von Akademischen Kulturen mit Hilfe von Critical Incidents

Donnerstag, 20.09.

09:15–10:45 Uhr Breitsprecher, Christoph (Hamburg), Gabriella Carobbio (Bergamo), Dorothee Heller (Bergamo), Angelika Redder (Hamburg) und Claudia Zech (Hamburg)
Diskursives Lernen in den Sozial- und Geisteswissenschaften – ein deutsch-italienischer Vergleich
  Annelie Knapp (Siegen)
Englisch als Lingua Franca in der Hochschullehre: Probleme, Lösungsansätze und Forschungsdesiderate
10:45 Uhr Pause
11:15 Uhr Plenarvortrag
12:15 Uhr Mittagspause
Führungen durch die Antikensammlung
13:30–15:00 Uhr Ulrike Schröder (Belo Horizonte)
Gesellschaftsmetaphern im Sprachgebrauch: eine vergleichende Untersuchung
  Beatrix Kreß (Hildesheim)
„Was habt Ihr Neues erfahren, wovon Ihr vorher nichts wusstet?“ Diskussionen im Unterricht unter der Bedingung sprachlicher und kultureller Diversität

Freitag, 21.09.

09:00–11:15 Uhr Jochen Rehbein (Ankara)
Diskussionen in politischen Fernsehdiskussionen
  Paneldiskussion: Mehrsprachigkeit und/oder (Inter)-Kulturalität sprachlich-kommunikativer Wissensverarbeitung als Herausforderung institutioneller Praxis

Beschreibung des Symposiums

Diskussionen spielen als elementarer Bestandteil demokratischer Staatsformen und aktiver Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sowie aller Formen der Wissensvermittlung in der Sozialisation von Gesellschaftsmitgliedern eine zentrale Rolle. So sind sie daher auch Bestandteil des Unterrichtens in einzelnen Schulfächern (vgl. z.B. Spiegel 2003, Voigt 2002, Voigt & Grundler 2009) und haben ihren festen Platz im Rahmen der Hochschulkommunikation (vgl. z.B. Schoaib 2006, Trautmann 2004, Voigt 2006, Wiesmann 1999). In den Massenmedien (insbesondere dem Fernsehen und Formen der digitalisierten Kommunikation) wird der Zweck von Diskussionen allerdings zumindest in Teilaspekten weiteren Funktionalisierungen unterzogen (vgl. z.B. Holly, Kühn & Püschel 1989 etc.).Auch wenn Diskussionen einen nahezu selbstverständlichen Stellenwert im kommunikativen Alltag haben, bilden sie keineswegs homogene Einheiten: Diskussionen können nicht nur unterschiedliche Inhalte zum Gegenstand haben, in ihrem Charakter und in ihrem Verlauf unterscheiden sie sich in ihren Formen der Wissensentfaltung, auch in Abhängigkeit der teilnehmenden Personen sowie gemäß der spezifischen institutionellen Zusammenhänge, in denen sie angesiedelt sind. Neben der Rekonstruktion bestimmter Sachverhalte spiegeln sie in Form von Kontroversen auch großformatige gesellschaftliche Konflikte wider (Spiegel 2006). Während Diskussionen zum einen das Potenzial haben, eine kritische Mobilisierung von Wissen zu leisten, lassen sich aber auch immer wieder sprachlich-kommunikative Manöver erkennen, die diese Mobilisierung von Wissen blockieren (vgl. z.B. Luginbühl 1999).Wie verhalten sich diese Befunde zur kommunikativen Praktik des Diskutierens und anderen Formen der Wissensverarbeitung in den Bildungsinstitutionen? Mit Blick auf diese Frage werden in dem Symposium Diskussionen, aber auch weitere, wissensvermittelnde und meinungsbildende Kommunikationsformen in verschiedenen Institutionen beleuchtet werden. Ausgehend von kommunikativen Praktiken zur Produktion, der Speicherung und Vermittlung von Wissen in bestimmten Texten und Diskursen in Schule und Hochschule sollen auch Dokumente der Kommunikation von Bildungsinstitutionen mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld, also beispielsweise Imagekampagnen oder die institutionellen Webseiten text- bzw. diskursanalytisch betrachtet werden.Vorgesehen ist dabei auch ein kontrastiver Blick auf die Realität der institutionellen Kommunikation in verschiedenen Ländern und Kulturen sowie in interkulturellen Zusammenhängen. Hier wird der Zusammenhang von Wissensproduktion und –vermittlung mit kulturellen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt stehen. Zu untersuchen ist, wie genau dieser Zusammenhang rekonstruiert werden kann und wie unterschiedliche kulturelle Gegebenheiten zu Unterschieden in Diskursen führen.Das Symposium besteht aus fünf Zeitblöcken zu jeweils 90 Minuten. Die Zeitblöcke umfassen folgende Handlungsfelder: Diskussionen in Bildungsinstitutionen (Hochschule 2 Blöcke, Schule 1 Block), Mediale Überformung von Diskussionen (1 Block). Ein weiterer Block von 90 Minuten ist für eine gemeinsame Panel-Diskussion vorgesehen, in deren Rahmen Möglichkeiten und Notwendigkeiten erörtert werden, die zwischen unterschiedlichen Diskurs- und Textformen oszillierende Wissensverarbeitung mit Blick auf sprachliche und kulturelle Verfasstheit bzw. Diversität weiter zu untersuchen.

Literatur:

  • Grundler, E. & Voigt, R. (eds.) (2009) Argumentieren in Schule und Hochschule Interdisziplinäre Zugänge. Tübingen: Stauffenburg.
  • Holly, W., Kühn, P. & Püschel, U. (1989) Redeshows. Fernsehdiskussionen in der Diskussion. Tübingen: Niemeyer.
  • Luginbühl, M. (1999) Gewalt im Gespräch. Verbale Gewalt in politischen Fernsehdiskussionen am Beispiel der „ARENA“. Bern: Lang.
  • Schoiab, B. (2006) Wissenschaftliches Argumentieren in der universitären Kommunikation in Deutschland und Ägypten. Diss. Soleiman, Hoda.
  • Spiegel, C. (2006) Unterricht als Interaktion. Gesprächsanalytische Studien zum kommunikativen Spannungsfeld zwischen Lehrern, Schülern und Institution. Online: http://www.verlag-gespraechsforschung.de/2006/spiegel.htm.
  • Spiegel, C. (2003) (2003b): „zum beispiel es gibt ja leute...“. Das Beispiel in der Argumentation Jugendlicher. In: Deppermann, Arnulf/Hartung, Martin (Hgg.) Argumentieren in Gesprächen. Gesprächsanalytische Studien. Tübingen: Stauffenburg, 111–129.
  • Trautmann, C. (2004) Argumentieren: funktional-pragmatische Analysen praktischer und wissenschaftlicher Diskurse. Frankfurt/M.: Lang.
  • Voigt, R. (2002) Im Deutschunterricht diskutieren. Zur Linguistik und Didaktik einer kommunikativen Praktik. Tübingen: Niemeyer.
  • Wiesmann, B. (1999) Mündliche Kommunikation im Studium. Diskursanalysen von Lehrveranstaltungen und Konzeptualisierung der Sprachqualifizierung ausländischer Studienbewerber. München: Iudicium.

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