S13: Zweisprachige Lexikographie im Spannungsfeld zwischen Translation und Didaktik

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Symposiumsleitung: Prof. Dr. Martina Nied Curcio (Rom), Dr. Fabio Mollica (Mailand) und Prof. Dr. María José Domínguez Vázquez (Santiago de Compostela)
Datum/Raum: Mittwoch, 19.09., Donnerstag, 20.09., und Freitag, 21.09., Raum B302 (ehem. Raum 5.054)

Mittwoch, 19.09.

11:00–12:30 Uhr Martina Nied Curcio (Rom), María José Domínguez Vázquez (Santiago de Compostela) und Fabio Mollica (Mailand)
Vom Nutzen der bilingualen Lexikographie aus der Perspektive des DaF-Lernenden – Neue Tendenzen?!
  Joern-Martin Becker (Greifswald)
Große Sprachen, kleine Sprachen – Perspektiven für die Wörterbuchschreibung/Lexikografie in der Slawistik
  Rufus H. Gouws (Stellenbosch)
Towards bilingual dictionaries with Afrikaans and German as language pair
12:30 Uhr Mittagspause
Führungen durch die Antikensammlung
14:00–15:30 Uhr Peter Meyer (Mannheim)
Vereinheitlichter Zugriff auf heterogene lexikografische Ressourcen: Probleme und Lösungsansätze am Beispiel eines Internetportals für Lehnwörterbücher
  David Lindemann (Bilbao)
Zweisprachige Lexikographie des Sprachenpaares Deutsch-Baskisch
  Marietta Calderón Tichy (Salzburg)
La fin del mundo [ladinoavlante] o un gayiko? – Print- und elektronisch verfügbare Wörterbücher des Sephardischen als Instrumente von Sprach- und Kulturdidaktik und Translation
15:30 Uhr Pause
16:00–17:30 Uhr Alexander Koplenig und Carolin Müller-Spitzer (Mannheim)
Darstellung von Wortartikeln in Onlinewörterbüchern. Empirische Ergebnisse aus der Wörterbuchbenutzungsforschung
  Holger Wochele (Jena)
Usererstellte und professionelle Lexikographie: Zweisprachige Internetwörterbücher im Vergleich
  Carolina Flinz (Pisa)
TOURLEX: Eine erste Lemmata-Auswahl

Donnerstag, 20.09.

09:15–10:45 Uhr Maxim Chikov (Nischnij Nowgorod)
Lexikographische Erfassung der funktionsgleichen deutschen und russischen Kollokationen
  Zita Hollós (Budapest/Erlangen)
Die lexikographische Darstellung von Syntagmatik auf der grammatischen Ebene und von Interferenz in einem Kollokationslexikon für Deutschlerner
  Dirk Siepmann (Braunschweig)
Kontrastive lexikalische Semantik und Lernerlexikographie am Beispiel des Bilexicon
10:45 Uhr Pause
11:15 Uhr Plenarvortrag
12:15 Uhr Mittagspause
Führungen durch die Antikensammlung
13:30–15:00 Uhr Luisa Giacoma (Turin)
Die GK-Wörterbücher Deutsch-Italienisch: ein Erfahrungsbericht
  Christine Konecny und Erica Autelli (Innsbruck)
Polysemie, Valenz und Kollokationen in der zweisprachigen Lexikographie Italienisch-Deutsch: Plädoyer für ein integriertes, dynamisches Repräsentationsmodell auf lernerorientierter und semantisch-kognitiver Basis
  Monika Bielińska (Katowicze)
Allgemeines zweisprachiges Wörterbuch als Lernerwörterbuch. Einige Überlegungen zur Exemplifizierung der Phraseologismen

Freitag, 21.09.

09:00–11:15 Uhr Zsuzsanna Fábián (Budapest)
Die Valenz in den zweisprachigen Wörterbüchern
  Maria Teresa Bianco (Neapel)
Es scheint, als würde der Sommer nicht mehr werden: Eine Lücke in der deutschen und italienischen lexikographischen Beschreibung am Beispiel des Vollverbs werden
  Klaus Fischer (London)
Valenz, Konstruktion und Lernerwörterbuch
  Anschließende Diskussion
Zusammenfassung und Ausblick

Beschreibung des Symposiums

Bis weit ins 20. Jahrhundert nahmen Kontrastive Linguistik bzw. Lexikologie und lexikographische Praxis i.d.R. kaum voneinander Notiz; sie waren praktisch getrennt und ihr Verhältnis zueinander blieb lange ungeklärt (vgl. Kühlwein/Wilss 1978). Einen wichtigen Impuls für die Verbindung von (Kontrastiver) Linguistik, Deutsch als Fremdsprache und Lexikographie, insbesondere in Deutschland, lieferte die Valenztheorie, und mit ihr das „Kleine[s] Valenzlexikon deutscher Verben“ von Engel/Schumacher 1978, auf dessen Grundlage zahlreiche bilinguale Valenzwörterbücher entstanden sind, wie z.B. Rall/Rall/Zorrilla 1980, Engel/Savin 1983, Ozil 1990, Cirko et al 1995, Fábián 1996/1998/2005, Bianco 1996, Blumenthal/Rovere 1998, Curcio 1999, Djordjević/Engel 2009. Ein erster Schritt für eine konstruktive Beziehung zwischen kontrastiver Linguistik und zweisprachiger Lexikographie war damit getan. Nach einer ersten Welle im lexikographischen Bereich scheint die Valenz heute jedoch insbesondere in der zweisprachigen Lexikographie wieder zu verschwinden, bzw. Konkurrenz durch die Konstruktionsgrammatik und die in Mode gekommenen Kollokationen und Chunks zu bekommen (Fobbe et al. 2010, Handwerker 2009, Heringer 2007, Steinbügl 2005). In dieser Sektion wollen wir uns mit verschiedenen Problemen im Bereich der kontrastiven Lexikographie auseinandersetzen (insbesondere unter Berücksichtigung des Einsatzes von Wörterbüchern im Fremdsprachenunterricht) und dabei folgenden Fragen nachgehen:

  • Welche zweisprachigen Wörterbücher liegen vor und auf welchen linguistischen Grundlagen basieren sie?
  • Welchen Einfluss nimmt die Online- bzw. elektronische Darbietung der Daten auf die Entwicklung der Mikro- und Makrostrukturen dieser Wörterbücher?
  • Gibt es heutzutage multilinguale und reversible Wörterbücher? Auf welchen Grundlagen basieren sie? Für welche Sprachen? Wie sind Konzeption und Aufbau?
  • Welche Rolle spielt heute die Valenz (auch in nicht explizit valenzausgerichteten Wörterbüchern)? Wie weit spielen die neuen Erkenntnisse der Konstruktionsgrammatik eine Rolle?
  • Welche Tendenzen sind generell auszumachen?
  • Welche Arbeitsschritte stehen noch aus? Wie sieht die Zukunft der kontrastiven Lexikographie aus?

Aber auch eher lernerorientierte und sprachbedingte Fragen können im Mittelpunkt stehen, wie bspw. die Frage nach der lexikographischen Notierung von Divergenzen und Konvergenzen zwischen den Sprachen und möglichen Interferenzen, die lexikospezifische Wort-Syntagma-Äquivalenz, die Rolle von nicht Standardäquivalenten usw. Außerdem sollte an all diese Fragen unter besonderer Berücksichtigung des Wörterbuchbenutzers herangegangen werden. Einerseits liegen recht wenige empirische Untersuchungen über die Rolle des Wörterbuchs und seinen Nutzen als Hilfsmittel beim Übersetzen und im Fremdsprachenunterricht im Allgemeinen vor, andererseits weist die steigende Anzahl an Lernerwörterbücher (Nuccorini 1993, Wiegand 1998, Schafroth 2004, Verdiani 2011) darauf hin, dass die Perspektive des Benutzers im Allgemeinen, aber auch die Perspektive des Fremdsprachenlerners, bei lexikographischen Überlegungen immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Dabei scheinen bisher gewonnene Erkenntnisse in der Linguistik und Didaktik wieder in den Hintergrund zu treten. Außerdem bleiben noch viele Fragen offen: Sind die Wörterbücher, die sich auf dem Markt befinden (auch die Online-Wörterbücher), wirklich diejenigen, die gebraucht werden? Welche Verbesserungen sind möglicherweise vorzunehmen?

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